Starker Anfang … schwaches Ende

Aus einer E-Mail:

„ich benötige dringend einen Rechtsanwalt … Es geht um einen Streitwert von 95 000,- Euro …“

Hört sich interessant an.

„Ich habe keinen Anwalt und habe auch kein Geld mir eins zu leisten … Ich habe keinen Geld um ihre Kosten abzusichern einzige Hoffnung ist die PKH.“

Die wird es aber nicht geben, denn die ganze Sache ist ziemlich konfus und die Erfolgsaussichten tendieren gegen Null. Und allein zur Begründung des PKH-Antrages dürfte ein Zeitaufwand von mindestens 2 Stunden realistisch sein.

Schade eigentlich.

Die BILD berichtet

Im Blog des Kollegen Nebgen las ich gerade einen Beitrag, der sich mit einem Urteil des LG Neuruppin befasst, welches angeblich einem Polizeibeamten bei der Strafzumessung zugute hielt, dass er „als Polizeibeamter … besonders haftempfindlich (wäre), da er mit denen im Knast sitzt, die er sonst bekämpft.“

Dem Kollegen reichte das, um dem Gericht „unendlichen Zynismus“ zu bescheinigen.

Sorry, Herr Kollege: Aber allein auf der Grundlage von „Die Bild berichtet …“ und „Laut BILD hat das Gericht …“ zu einer solchen Beurteilung zu kommen, zeugt von Naivität. Das gilt umso mehr, als sich diese „Zeitung“ noch nicht einmal auf ein schriftliches Urteil stützt, sondern nur von einer mündlichen Urteilsverkündung berichtet. Was vom Wahrheitsgehalt solcher Berichte in diesem Blatt zu halten ist, dürfte allgemein bekannt sein. Was und warum das LG Neuruppin wirklich entschieden hat steht ganz sicher nicht in der BLÖD BILD.

Aber vielleicht wollte der Kollege damit ja auch nur einen Blogbeitrag wie diesen provozieren.

Nachfrage

Ein Mandant hat meine Rechnung nicht bezahlt. Auf Mahnungen und Mandatsniederlegung wurde einfach nicht mehr reagiert. Also habe ich das gerichtliche Mahnverfahren betrieben und einen Vollstreckungsbescheid erwirkt. Netterweise hatte er mir Vollmacht und Mandatsvereinbarung von seinem Arbeitsplatz aus gefaxt. 

Dank Google wurden Name, Anschrift und Telefonnummer des Arbeitgebers schnell ermittelt. Kurze telefonische Nachfrage dort: „Guten Tag, arbeitet Herr XY noch bei Ihnen?“ „Ja, tut er.“ „Danke schön, auf wiederhören.“

Nun läuft die Lohnpfändung. Die ursprüngliche Rechnungsforderung hat sich beträchtlich erhöht – und den Arbeitgeber wird es auch nicht freuen, dass er als Drittschuldner nun entsprechenden Aufwand hat.

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