Archiv der Kategorie 'Musik'

Santa Claus is coming to town

Heimspiel wünscht allen Lesern ein frohes Fest und erholsame Feiertage!

Spielen, spielen, spielen!

„Die Lichter meiner Stadt seh ich schon am Horizont – Und ich weiß ich werd heut Nacht nach Hause kommen.“

Mit diesen Zeilen rocken die Jungs von 5vor12 auf ihrem gleichnamigen Debut-Album direkt mächtig los. In Köln ist dieser Song insbesondere unter den Anhängern des 1. FC Köln inzwischen sehr bekannt, kursiert doch auf Youtube ein Video, dass „Freiheit für Lukas Podolski“ proklamiert und mit „Nach Hause“ unterlegt ist. Der Song passt auch gut auf die Situation des Ausnahmefußballers, dessen Rückkehr nach Köln wohl kurz bevorstehen dürfte.

Dabei verdient aber die ganze CD der Newcomer-Band Respekt: Musikalisch schnörkellos, melodisch und mit intelligenten, witzigen Texten sind die vier Jungs um Sänger Sven Caßebaum nun auf dem besten Wege, die Ohren, Herzen und MP3-Player der Republik zu erobern.

Heimspiel hat für seine Leser mit 5vor12 gesprochen:

Heimspiel: „5vor12: Wer steckt da eigentlich alles hinter?“

5vor12: „5vor12 sind mehr als eine Band. Ein Kollektiv von Verrückten, die einen gemeinsamen Traum haben. Wir machen alles selber. Von der Musik, der Produktion über Layout, T-Shirts, Promo bis hin zum eigenen Label „Pophertz“ (www.pophertz.de), das wir gegründet haben um die Regie komplett in eigener Hand zu behalten. Wir haben unser Album genau so gemacht,wie wir es wollten und sind damit im wahrsten Sinne des Wortes ‘independent’“.

Heimspiel: „Wie alt seid Ihr, was macht Ihr (bislang) beruflich?“

5vor12: „Im Banddurchschnitts bringen wir’s auf 26 1/2. Sven, Hannes und Vince sind Musiker, studieren und/oder jobben nebenher. Tobi ist unser Mann von Cobra 11 (Autobahnpolizist).“

Heimspiel: „Seit wann gibt es die Band? Wie und wo habt Ihr Euch getroffen?“

5vor12: „Die Band gibt es um Sven und Tobi schon seit unfassbaren 10 Jahren. Mit Vince und Hannes haben wir, nach einigen Wechseln, schließlich die beiden Jungs gefunden, die konsequent genug sind den Weg zusammen mit uns zu gehen.“

Heimspiel: „Was sind denn Eure musikalischen Vorbilder, mit welcher Musik seid Ihr aufgewachsen?“

5vor12: „Zum Begriff „Vorbilder“ kann man sagen: Elvis war grossartig. Ein Elvis-Imitator ist lächerlich. Individualität ist gerade das Schöne an der Musik. Was nicht heisst, das man sicht nicht in der Tradition grosser Bands sehen darf. Man muss die Pioniere der Vergangenheit ehren, denn sie sind Inspiration und Ansporn für uns. Aber man sollte seinen eigenen Weg finden. Die Welt braucht nicht noch 1000 gleichförmige Pseudo-Superstars, auch wenn uns manche Fernsehsender etwas anderes weismachen möchte. Es gibt in jedem Genre immer wieder verrückte Leute, die für ihren Traum einstehen und mit voller Leidenschaft beseelte Musik schaffen. Egal ob sie damit zu grossen Stars werden oder auf der Schildergasse den Hut rumgehen lassen. Das sind unsere Helden.“

5vor12

Heimspiel: „Mit welchen Vorbildern würdet Ihr gerne mal auf der Bühne stehen?“

Sven: „Als weltgrösster Elvis-Fan würde ich einiges dafür geben mich in eine Zeitmaschine zu setzen um im Las Vegas der 70er Jahre mit dem King zusammen „Suspicious minds“ zu performen. Natürlich singe ich nur im Background.

Vinc: „Mit allen großen Musikern, die mit Herz, Seele und Eiern Ihr Ding durchziehen.“

Tobi: „Ich möchte gerne Tom Waits in einer halbseidenen Hafenkneipe bei einem guten Glas Whiskey auf dem Kontrabass begleiten.“

Hannes: „Mit keinem. Was hätte ich denn da auf der Bühne verloren?“

Heimspiel: „Seht Ihr Euch als „kölsche Band“ in der Tradition von BAP, Brings und Wolf Maahn – oder habt Ihr mit dieser Szene eigentlich nichts „am Hut“ und eher „neuen“ deutschen Bands verbunden, z.B. Tomte, Kettcar o.ä.?“

5vor12: „Wir fühlen uns als Kölner und lieben daher natürlich auch die grossen kölschen Songs. Vor allem die Bläck Fööss haben Hymnen geschrieben, ohne die man als geborener Kölner ja gar nicht sein will. Großartig.

Musikalisch liegen unsere Wurzeln allerdings in der englischen und amerikanischen Rock/Popmusik der letzten 50 Jahre. Wir lieben einfach knackige Popsongs mit grossen Melodien, die in 3 Minuten auf den Punkt kommen. Und verbunden fühlen wir uns mit jedem Musiker, der auf der Bühne er selbst ist und aus vollem Herzen sein Ding durchzieht.“

Heimspiel: „Seid Ihr alle Fans des 1. FC Köln oder gibt es Abweichler? :-)

5vor12: „Das ist ein wichtiges Aufnahmekriterium in der Band. Was anderes als FC Fan? Und Tschüss! Und das meinen wir durchaus ernst! ;-)

Heimspiel: „Sollte Lukas Podolski zum FC zurückkehren?“

5vor12: „Am besten noch heute!“

5vor12_sitzendaweb

5vor12 von links nach rechts: Tobi (bass) Hannes (git), Sven (voc,git), Vinc (dr)

Heimspiel: „Die Songs stammen alle von Sven: Wie autobiographisch sind die Texte? Wurde ‘Liebeslieder’ konkret nach einer Trennung geschrieben und ‘Nach Hause’ im Urlaub?“

Sven: „Die Texte sind nicht unbedingt konkret zu übertragen. Eher inspirieren mich Gefühlswelten und Stimmungen. ‘Nach Hause kommen kann man zum Beispiel nicht nur in seine Stadt, sondern auch ortsunabängig, zu Menschen, die einem wichtig sind. Es ist ein Gefühl, dass man nicht an einer Oberflächlichkeit festmachen kann. Das Gefühl eine Heimat zu finden.“

Heimspiel: „Wie entstehen Eure Songs: Erst der Text und dann die Musik – oder anders herum? Bei welcher Gelegenheit entstehen die Songs?“

Sven: „Ich schreibe die Musik zuerst, allerdings schon mit einer Art Kauderwelsch Text aus dem sich oft die Richtung entwickelt in die es gehen wird. Wenn ich bereit bin ihr zuzuhören flüstert die Musik mir zu, was sie sagen will. Über Songwriting ist schon viel geschrieben worden, aber letztendlich kann man den Prozess nicht vollends erklären und das ist auch gut so.“

Heimspiel: „Wie steht Ihr zu den heutigen Möglichkeiten, Musik zu vertreiben, z.B. Downloads, Peer 2 Peer-Netzwerke etc: Seht Ihr darin eher eine Chance für junge Bands, überregional bekannt zu werden – oder seht Ihr das eher negativ, weil das Risiko der Musikpiraterie überwiegt? Viele Fans sind ja gerade in den letzten Wochen über Youtube zu Euch gestoßen.“

5vor12: „Eine ganze Generation ist damit aufgewachsen, daß es Musik kostenlos im Internet gibt. Die Plattenindustrie hat das Internet, und vor allem seine Chancen, viel zu spät ernstgenommen und versäumt das Netz kreativ für sich zu nutzen. Mit Apples „Itunes“ hat ein branchenfremder Konzern schließlich die erfolgreichste legale Downloadplattform an den Start gebracht. Man kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn manche Funktionäre auch heute noch die Internetkids kriminalisieren und ernsthaft als Hauptschuldige der Misere ausmachen. Um eine Band mit Substanz langfristig aufzubauen braucht man den Mut Risiken einzugehen und langen Atem. Die Gangart der grossen Plattenfirmen war in den letzten Jahren leider eine andere. Es ging dort, strukturbedingt, vor allem um das schnelle, vermeintlich sichere Geld. Da war kaum Platz für gewachsene Bands. Dabei sind genau solche Bands es, die wirklich Leute an sich binden. Ein U2 Fan, zum Beispiel, wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem er in den Laden gehen kann und das neue Album seiner Lieblinge in der Hand hält. Das sind die Kunden, die bleiben. Wir haben uns lange Zeit über diese Politik geärgert und sind dann den einzig konsequenten Schritt zum eigenen Label gegangen. Das Internet bietet uns die einmalige Möglichkeit direkt mit unserem Publikum und denen, die es mal werden könnten, in Kontakt zu treten. Ungefiltert. Was es uns abverlangt ist kein Geld, sondern Zeit und Arbeit. Es ist toll sofort Feebacks zu bekommen und direkt mit den Hörern zu kommunizieren. Die Leute haben, im Übrigen, ein feines Gespür dafür, ob die Künstler, die auf der Bühne stehen, es ernst meinen. Substanz, gepaart mit Beharrlichkeit und Leidenschaft ist das Einzige, was sich langfristig durchsetzen wird. Alles andere ist Fastfood und wird schon morgen vergessen sein.“

Heimspiel: „Was sind Eure Pläne für 2009 und wo seht Ihr Euch in 10 Jahren?“

5vor12: „Spielen, spielen, spielen! Live aufzutreten ist die direkteste Erfahrung die es beim Musikmachen gibt. Dafür ist man in einer Band.

In 10 Jahren sehen wir uns da wo wir jetzt schon sind: Auf dem Weg zu neuen Ufern. Mit einer tollen Band und einem tollen Team im Rücken, auf dem Weg zu neuen Ufern. Alles andere ist Bonus.“

Heimspiel: „Was möchtet Ihr Euren Fans sonst noch mitteilen?“

5vor12: „Unseren geneigten Zuhörern rufen wir zu: Danke! Wir freuen uns über jeden von euch! und: Empfehlt uns weiter ;-)

Deutschland sagen wir: Kein Applaus für Scheiße.“

Die CD von 5vor12 gibt es im gut sortierten Fachhandel Eures Vertrauens und bei amazon.de.

Schwarze Krähen

Die beste und dreckigste Rock’n'Roll Band der Welt veröffentlicht ab sofort ihre Konzerte und bietet sie zum (kostenpflichtigen) Download an.


(Foto: merfam)

Angesichts des günstigen $-Kurses werde ich meine Sammlung damit in nächster Zeit wohl doch erheblich auffrischen.

Wunderbar!

:-)

In Memoriam Jeff Healey

Ich war 20 Jahre alt, als ich 1988 zum ersten Mal auf diesen neuen kanadischen Wundergitarristen aufmerksam wurde, der scheinbar ohne jede Anstrengung Töne aus seinem Instrument hervorlocken konnte, die man seit Hendrix’ Zeiten nicht mehr erwartet hatte. Erstaunt stellte ich damals fest, daß dieser Wunderknabe, der schon mit 19 Jahren mit Blues-Größen wie Albert Collins und Stevie Ray Vaughan auftrat, seine Gitarre sitzend und auf den Oberschenkeln liegend spielte: Er war seit seinem ersten Lebensjahr blind und deshalb spielte er seine Stratocaster wie eine Zitter, denn so hatte er es gelernt. Sein Name: Jeff Healey. Sein erstes Album nannte er „See The Light„, was auf einen ausgeprägten Humor hindeutete und mich musikalisch davon überzeugte, daß dieser Mann eine große Zukunft vor sich haben würde.

Bis zum Jahr 2000 folgten dann aber leider vier weitere Alben, die in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr auf großes Interesse stießen. Sauberer Blues-Rock vom Feinsten, geprägt durch seinen einzigartigen Stil. Dann wurde es, zumindest in Europa, recht still um Mr. Healey.

In den letzten Jahren wechselte er Genre und Instrument und spielte Trompete in seinem Projekt Jeff Healey & The Jazz Wizards, mit dem er auch ausgiebig durch die USA und Kanada tourte.

Heute abend habe ich nach langer Zeit wieder einmal eine CD von ihm eingelegt und mich beim Hören der alten Songs gefragt, was Jeff Healey wohl zur Zeit macht. Bestürzt habe ich nach einem Blick in die Wikipedia erfahren, daß Jeff Healey vor wenigen Tagen an den Folgen des Netzhauttumors, an dem er als Kind bereits erblindet war, gestorben ist. Er starb am 2. März im Alter von 41 Jahren im St. Joseph’s Hospital in seiner Heimatstadt Toronto, Ontario, wenige Wochen vor der geplanten Veröffentlichung eines neuen Blues-Rock Albums mit seiner Band.

Jeff Healey in Aktion (Foto: ckaiserca)

Die Musikwelt hat einen großartigen Gitarristen verloren. Ich werde ihn vermissen. Möge er nun „das Licht“ sehen und seine ewigen Frieden finden.

Blogged with Flock

Weißes Band

Neulich beim U2-Konzert:

Bono: ‘People, everytime I clap my hands, another child in Africa dies.’ (Er klatscht langsam und leise.)

Stimme aus dem Publikum: ‘Then stop doing it!’

Wenn die Welt so einfach wäre, bräuchte es Deine Stimme gegen Armut nicht.

Land of Confusion

Folgende E-Mails gingen im Laufe des Nachmittags bei mir ein:

Nr. 1 um 15:02 Uhr:

Sehr geehrter Herr Schwartmann,

wir, die xxxx AG als Ihre Vorverkaufsstelle, haben Ihnen im Namen
und auf Rechnung des Veranstalters Eintrittskarten für die oben genannte
Veranstaltung verkauft.

weiterlesen ‘Land of Confusion’

Hot Stuff

Keith Richards: `I snorted my father’

LONDON – Keith Richards has acknowledged consuming a raft of illegal substances in his time, but this may top them all. In comments published Tuesday, the 63-year-old Rolling Stones guitarist said he had snorted his father’s ashes mixed with cocaine.

„The strangest thing I’ve tried to snort? My father. I snorted my father,“ Richards was quoted as saying by British music magazine NME. „He was cremated and I couldn’t resist grinding him up with a little bit of blow. My dad wouldn’t have cared,“ he said. „… It went down pretty well, and I’m still alive.“

Richards’ father, Bert, died in 2002, at 84.

Justitia Colonia wünscht dem Glimmer Twin weiterhin Gesundheit.

Blue Valentine

Heute ist der Tag, den die Blumenindustrie so sehr liebt, wie Muttertag und Allerheiligen zusammen: Valentinstag. Dabei handelt es sich um eine weitere, aus den USA importierte, völlig überflüssige Veranstaltung, die die Wikipedia zutreffend wie folgt beschreibt:

In Kontinentaleuropa handelt es sich um einen primär kommerziellen Anlass und kann als Globalisierungsphänomen betrachtet werden. Er wird mit traditionellem Brauchtum verbrämt, ähnlich dem in den neunziger Jahren populär gewordenen und über die USA aus Irland importierten Halloween.

Für Leute, die jeden Quatsch begeistert mitmachen und ihre Liebesbekundigungen nach dem Kalenderblatt ausrichten, bietet dieser Tag also die Gelegenheit, sehr viel Geld für sehr wenig Blumen auszugeben.

Mich hat der Valentins-Hype indes an eine sehr schöne Platte von Tom Waits erinnert, die ich schon lange nicht mehr gehört habe – was sich heute abend ändern wird.

Danke, Valentin!


 

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