Archiv für 26. März 2008

Schadensbegrenzung á la Lidl

Lidl hat auf die Berichterstattung des Stern soeben mit einer Stellungnahme reagiert:

Stellungnahme zum “Stern” Bericht über Lidl:

Wir pflegen einen fairen Umgang mit unseren Mitarbeitern

Neckarsulm, 26.03.2008. “Die im Stern skizzierten Vorwürfe und Feststellungen haben uns sehr betroffen gemacht. Insbesondere der damit vermittelte Eindruck, wir würden unsere Mitarbeiter “bespitzeln”, entspricht in gar keinem Fall unseren Führungsgrundsätzen und dem praktizierten fairen Umgang mit unseren Mitarbeitern”, sagt Jürgen Kisseberth, Geschäftsleitungsmitglied Mitarbeiter und Soziales der Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG.

Um durch Diebstahl verursachte Inventurverluste zu vermeiden, arbeitet auch Lidl - wie im gesamten Handel üblich - mit Kameraanlagen, um Diebstähle aufzuklären. Im Jahr 2007 gab es in 8 Prozent der deutschen Filialen aber besonders auffällige Inventurdifferenzen. Deshalb wurde in diesen Filialen zusätzlich für einen begrenzten Zeitraum mit Detekteien zusammengearbeitet.
Die Aufgabe der Detekteien war es, in den Filialen zusätzliche Erkenntnisse zur Aufklärung von Diebstählen zu gewinnen. Die in diesem Zusammenhang über diesen Aufgabenbereich hinaus festgehaltenen weiteren Informationen wurden zu keiner Zeit in irgendeiner Weise weiterverwertet.

Die Hinweise und Beobachtungen, die vom Stern veröffentlicht wurden, entsprechen weder im Umgangston noch im Stil unserem Verständnis von einem fairen Umgang mit unseren Mitarbeitern. Deshalb hat Lidl die Zusammenarbeit mit einem der betroffenen Dienstleister schon vor längerer Zeit beendet. Wir haben uns zudem entschieden, unser Eigentum zukünftig ausschließlich mit sichtbar angebrachten Kamerasystemen und gemeinsam mit unseren Mitarbeitern zu schützen.

Die im Stern-Bericht erhobenen Vorwürfe werden also nicht dementiert, sondern nur entschuldigt. Das nennt man moderne Schadensbegrenzung.

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Advo-Dumm

Auf dem Onlinerechtsberatungsmarkt tummeln sich mittlerweile zahlreiche seriöse Anbieter. Beispielhaft seien nur anwalt.de und frag-einen-anwalt.de genannt. Neulinge auf diesem Gebiet haben es schwer, da mitzuhalten. Ganz besonders, wenn schon die Bedingungen für die teilnehmenden Anwälte so abstrus sind, daß sich jeder wirtschaftlich denkende Kollege nur stirnrunzelnd abwenden kann. So wurde ich heute auf das Angebot von Advonaut aufmerksam gemacht. Diese Plattform wird laut Denic-Angaben von der Firma finebrain AG betrieben, mit Sitz in der Schweiz, und versteht sich als Anwaltsvermittlungsdienst. Auf der Anmeldeseite für interessierte Anwälte heißt es:

So funktioniert Advonaut

  • Anfrage: Potenzielle Klienten formulieren ihre Anfragen anonym auf der Advonaut-Website und wählen das entsprechende Rechtsgebiet bzw. eine passende Laienkategorie.
  • Freischaltung: Die Mandatsanfragen werden nach einer Seriositätsprüfung den bei Advonaut registrierten Anwälten in den entsprechenden Tätigkeitsgebieten per E-Mail angezeigt.
  • Rückmeldung: Anwälte, die am Mandat interessiert sind, können über das Advonaut-System eine individuelle Rückmeldung an den Anfrager senden.
  • Kontakt: Der Anfrager nimmt aufgrund der eingehenden Rückmeldungen direkt mit den passenden Anwälten Kontakt auf.
  • So weit, so gut. Aber weiter:

  • Geringe Akquisitionskosten: Sie bezahlen nur, wenn Sie auf eine Mandatsanfrage reagieren. Gebühren werden nur pro Rückmeldung erhoben.
  • Genauer:

    Die Anmeldung ist kostenlos. Eine Rückmeldung auf eine Anfrage kostet € 20.-, unabhängig von einer Mandatserteilung durch den Anfrager und Mandatsgröße.

    Im Klartext bedeutet das:

    Ein potentieller Mandant wird von Advonaut vermittelt, und der teilnehmende Anwalt zahlt, sobald er mit dem Anfragenden Kontakt aufnimmt, 20 EUR an die Plattform, egal, ob ein Mandatsverhältnis zustandekommt, oder nicht. Das System rechnet sich für den teilnehmenden Anwalt also nur, wenn es zu einer Mandatierung kommt - ansonsten zahlt er fleißig drauf.

    Jeder mag selbst abschätzen, ob Ihm dieses Angebot zusagt. Mich erinnert das alles aber sehr an Heiratsvermittlung, bei denen letztlich nur einer gewinnt: Der Vermittler.

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    Big Brother Discount

    Hat man da noch Worte?

    Der Lebensmitteldiscounter Lidl ließ voriges Jahr systematisch die Beschäftigten in zahlreichen Filialen überwachen. Dem stern und stern.de liegen mehrere Hundert Seiten interner Lidl-Protokolle vor, in denen jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur “introvertiert und naiv wirkt.” Die meisten dieser Einsatzberichte stammen aus Lidl-Filialen in Niedersachsen, dazu kommen einzelne Abhörberichte aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein.

    [...]

    Lidl selbst bestreitet die Existenz der Protokolle gegenüber dem stern nicht, behauptet aber, sie “dienen nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens”, so Lidl-Sprecherin Petra Trabert. Auch von den detaillierten Protokollen aus der Privatsphäre der Beschäftigten distanziert sich das Unternehmen im Nachhinein und erklärt, die “Hinweise und Beobachtungen entsprechen weder im Umgangston noch in der Diktion unserem Verständnis vom Umgang miteinander.”

    Auch die Bespitzelung einzelner Kunden über die in den Läden installierten Video-Kameras dürfte möglich sein. Selbstverständlich nur zur Feststellung ‘eventuellen Fehlverhaltens’. Bei meinem nächsten Einkauf werde ich sicher mal nett in die Kameras winken.

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